Friday, September 08, 2006
"Hell leuchtend durchsticht der Mond das dunkel der Nacht. unter ihm im fahlen Licht der Straßenlaterne schleppt sich eine gebückte Gestalt mühsam den Hang hinauf. Es muss wohl gegen halb vier Uhr morgens sein, denn am Horinzont kündigen schon die ersten Strahlen das Aufkommen der Sonne heran... Schnaufend und Erschöpft hat der einsame Wanderer sein Ziel erreicht. Leicht knarzt der Schlüssel im Türschloss und eröffnen nur noch wenige Meter bis zum wärmenden Bett... Endlich da!"Mal wieder ein paar kurze Worte, bevor ich wieder in den Zug springe um Paris zu erreichen.
Paris ist toll und eine schöne Erfahrung aber: Ich komme mir gehetzt vor. Grund hierfür sind die ewigen Heimfahrten mit dem Bus, welche sehr an meinen Kräften zehren. Tagsüber ist man innerhalb von 50 Minuten in der Stadt, was jetzt zwar kein Katzensprung ist aber durchaus akzeptabel ist. Nachts jedoch brauche ich ab halb 10 mindestens 1 1/2 Std heim.
Entweder nehme ich die stündlich fahrenden Nachtbusse, welche zwar nur 40 Minuten brauchen, aber das Hinkommen zum Abfahrtsort ein Akt ist oder ich springe auf den letzten Zug um 0:50, welcher allerdings in Earmont-Eaubonne auf den ewig tuckernden Bus wechselt (natürlich nur für die nächsten zwei Wochen.. .grmpf) und bin dann um halb drei zu Hause. Von dort sind es jetzt nach mehrmaliger Streckenänderung 20 Minuten heim - den Berg rauf.
Ich bin zwar gerade auf der Suche nach einer Wohnung aber all die Dinge, welche von einem verlangt werden sind unmenschlich. Gut, ich kann verstehen, dass die Leute eine Garantie haben wollen - wobei in Deutschland einfach geklagt wird als sich 2000fach abzusichern - aber warum gerade von Französischen Mitbürgern? Dann noch zumeist eine Kaution der nächsten zwei Monatsmieten, etc pp. und das alles für schlichte 9-13 m². Irgendwie klappt das denke ich auch (Garantien sind natürlich kein Problem) aber Form, etc. pp. muss ich noch hinbekommen und das dauert alles zeitlich.
Im Prinzip kann ich mit dem Zeug alles leben aber es nervt doch ein wenig, wenn man anstatt um elf mit der Flasche Wein in der Hand zum Eiffelturm, den Bus nach Hause nehmen muss. Gerade, wenn um neun die Uni losgeht muss ich mich um 6 Uhr aus den Federn quälen.
Zuträglich ist das viele Zugfahren nur für mein Lesepensum. Ich bin mit mehreren Büchern schon gut vorangekommen und gewöhne mich auch langsam wieder an das längere Arbeiten. Trotzdem hat man immer dieses mulmige Gefühl in der Bauchgegend nie zur Ruhe kommen zu können, weil man ständig "bald los" muss.
Ansonsten ging die stage d'integration Montag los, neben diversen Einführungsveranstaltungen auf Französisch und eine Uniführung habe ich mittlerweile das einzige mir besorgt, wofür ich keine Vorarbeit leisten musste: Die Studierendenkarte (was mir Zugang zur Mensa und der Bibliothek verschafft). Handykarte würde ich gerne über einen Vertrag lösen, was momentan die Kommunikation hier ebenso problematisch macht. Ab nächsten Dienstag habe ich dann meine Bankkarte und kann dann selbiges endlich in Angriff nehmen. das positive an Handyverträgen ist, dass sobald man das Land verlässt der Vertrag annuliert wird. Demzufolge bekommt man relativ billig ein Handy und gute Konditionen für eine geringe Vertragslaufzeit...
Grundsätzlich fühle ich mich - wie die meisten anderen ehemaligen Leipziger Erasmi auch immer berichten - sehr alt. Die meisten hier sind weitaus jünger als ich und noch in dieser überschwänglichen Partymanier (TV-Club-Stil zu höheren Preisen), welche mich doch stark noch abschreckt (was allerdings auch an dem schwierigen Heimkommen liegen kann). Mittwoch war eine BDE-Party (Stud. Partyorganisation) welche nicht nur teuer sondern auch ziemlich affig war: Sakko, Goldkettchen und weites offenes Hemd mit der 40 € Wodkaflasche in der Hand - das ist einfach nicht meine Welt ;). Ich bin mal gespannt inwiefern sich das verändert, wenn ich meine Franzkurse habe, da hier ja schon nach Master separiert wird.
Wie auch immer: über dem negativen Ton liegt die Erschöpfung, welche den geruhsamen vorherigen Wochen diametral entgegenstechen. Man muss sich an alles gewöhnen und ich freue mich auf meine Kurse. Nette Menschen habe ich bisweilen auch schon kennengelernt und dorthin werde ich mich jetzt erneut begeben. Mir geht es gut - wenn nicht ausgezeichnet - ich klage als verwöhnter Deutscher auf hohem Niveau - Aber das haben Nörgler so an sich ;)